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Vom verfallen Schloss zum Kleinod für alle Selbolder
Gelnhäuse Neue Zeitung Samstag, 19.Mai 2012
Hans Badstübner, langjähriger Vorsitzender des Förderkreis Schloss, wird heute feierlich verabschiedet.
Von Dominik Lange
Langenselbold. 18 Jahre leitete er die Geschicke der Vereinigung, die er ins Leben gerufen hatte, um ein Kulturdenkmal vor dem Verfall zu retten. "Es Liegt in einem selbst", sagt Hans Badstübner mit Blick auf das Langenselbolder Schloss und die wundervolle Anlage. Ohne den Förderkreis würde es das Kleinod in seiner heutigen Pracht nicht geben. "Ich habe nie etwas begonnen, das ich nicht zu Ende bringen konnte", bilanziert der 78-Jährige. "Bei dem geringsten Anzeichen von Widerstand die Brocken hinschmeißen das kann jeder." Im Frühjahr zog er sich von seinem Posten als Förderkreisvorsitzender zurück und übergab das Zepter mit einigen Anlaufschwierigkeiten an Klaus Mackenroth. Heute Abend honoriert die Stadt Langenselbold das imposante Werk Badstübners mit einer feierlichen Verabschiedung.
Dank seines katholischen Großvaters hatte Hans Badstübner schon als Kind einen Einblick ins Schlossinnere. Da es vor dem Krieg in Langenselbold keine katholische Kirchengemeinde gab, kamen die Katholiken alle 14 Tage auf dem Schlossareal in einerkleinen Kapelle zusammen, in der heute eine Ballettschule beheimatet ist.
Obwohl der damals vierjährige Hans evangelisch war, begleitete er seinen Großvater und traf bei den Gottesdiensten auch die Familie von Isenburg, die zu dieser Zeit das Schloss als Herrenhaus nutzte. Der historische Gebäudekomplex zog ihn schon damals in seinen Bann. „In der Herrnscheune standen noch alte Pferdekutschen herum", erinnert er sich lächelnd. „Und im Park gab es so viele wunderbar gewachsene Bäume, die konnte man von unten bis oben erklettern."
Schon früh spielte das Schloss eine große Rolle im Vereinsleben der damaligen Gemeinde, was der gelernte. Friseurmeister Badstübner durch die Arbeit im Salon der Familie erfuhr. Erste Feiern wurden in der Herrnscheune und im Schlosspark ausgerichtet.
Als Glücksfall für Langenselbold bezeichnet Badstübner Bürgermeister Peter Neugebauer, der die Gemeindevertreter 1976 davon überzeugte, das Schloss zu kaufen. Kaufpreis 700 000 Mark.
Trauungen im Stucksaal
Im Stucksaal wurden von da an standesamtliche Hochzeiten vollzogen. Zudem gab es dort erste Konzerte und Vorlesungen. Im ersten Stock wohnten weiterhin die beiden Prinzessinnen von Isenburg, Maya und Margarete.
„Als Langenselbold. 1983 Stadt wurde, kam die Wertigkeit des Geländes auch in den Köpfen der Stadtoberen an", sagt Badstübner und weist auf den Bau der Klosterberghalle sowie die Entstehung und Erweiterung des Heimatmuseums hin. Das Schloss aber dümpelte vor sich hin. Mit dem von ihm gegründeten „Kreativ-Treff 88“ richtete Badstübner Anfang der 90 er Jahre Ausstellungen in dem historischen Bau aus. Dabei bemerkte er den Verfall des
Gemäuers. Er suchte die beiden Prinzessinnen im Obergeschoss auf. Die Stuckdecke war durch Nässe stark beschädigt, und auch die handbemalten Seidentapeten litten unter der Feuchtigkeit", erzählt er. Tatenlos mit anzusehen, wie das Schloss zerfällt, war nicht Badstübners Ding.
1993 informierte er sich über die Arbeit des Ronneburger Fördervereins, holte sich die notwendigen Anträge und stellte Bürgermeister Peter Ebner seine Idee vor. Der aber teilte seine Begeisterung nicht: „Wir haben kein Geld", lautete seine Haltung. Auch die anderen Politiker waren pessimistisch, fürchteten Folgekosten in Millionenhöhe. „Das war deprimierend", erinnert sich Badstübner, der sich aber nicht von der Umsetzung seiner Vision, der Rettung des Schlossgeländes, abbringen ließ.
Sein Durchhaltevermögen wurde nach einem Treffen mit einem Vertreter der unteren Denkmalpflege des Main-Kinzig-Kreises und einem Konservator des Landesamtes für Denkmalpflege belohnt: „Beide waren von meinem Vorhaben begeistert und sagten mir ihre Unterstützung zu." So begann die Suche nach Fachleuten für den Vorstand, der bei der Geburt des Förderkreises im Jahr 1994 aus Hans Müller, Erwin Reinstädt, Gabriele Unger und eben Hans Badstübner bestand.
„Unser Ziel lautete, die Stadt Langenselbold bei der Sanierung, Unterhaltung und Pflege der Schlossanlage zu unterstützen", sagt der Gründer, der sich selbst fragte, was kann ein Bürger ohne jegliche politische Bindung in einer Sache für die Bürger erreichen? „Diese Unabhängigkeit war und ist auch ein Teil des Erfolgs des Förderkreises", sagt er, auch wenn zum Teil harte Kämpfe notwendig waren.
Treppensanierung als Prüfstein.
Etwa im Vorfeld der Sanierung der Holztreppe, für die 40000 Mark veranschlagt wurden. 10000 Mark hatte der Förderkreis angespart, für den Rest war ein Antrag beim Magistrat eingegangen. Doch der war skeptisch, wollte das Geld nicht zur Verfügung stellen. Erst ein Zimmermann überzeugte die Fraktionsmitglieder bei einem Ortstermin: "Entweder Ihr saniert die Treppe jetzt oder lasst sie zusammenfallen. Dann kostet es Euch allerdings 350000 Mark." Im Laufe der Jahre mobilisierte Badstübner, der Mitglied in mehreren
Vereinen ist, viele Freunde und Gönner für den Förderkreis. "Dies gelang vor allem dadurch, dass der Schlosspark nach und nach Gestalt annahm", erzählt er. Die Stadt trug durch das Anlegen neuer Wege, der Anpflanzung neuer Bäume und dem Bau einer Treppe, die Schlosspark und Schlossgarten miteinander verbindet, ihren Teil dazu bei. "Man hatte erkannt, dass man beim Verein nicht nur schwätzt, sondern auch was macht", sagt Badstübner schmunzelnd.
340 Mitglieder
340 Mitglieder gehören dem Förderkreis an. Oberflächlich betrachtet eine stolze Zahl, aber nicht nach Badstübners Maßstäben. Die Schlossanlage dient den Bürgern Langenselbolds. Angesichts der Tatsache, dass wir rund 14 000 Einwohner haben, ist das doch wenig", sagt er. Leichte Sorgen bereitet dem Vereinsgründer, dass der Großteil über 65 Jahre alt ist. Stolz ist er, dass Austritte wegen Unstimmigkeiten die Ausnahme sind. Der Förderkreis unterscheidet sich von anderen Vereinen darin, dass jeder Cent, der durch
Mitgliederbeiträge und sonstige Einnahmen generiert wird, einzig und allein der Schlossanlage zugute kommt. "Davon profitiert letztendlich wieder der Bürger." 1,6 Millionen Euro wurden seit 1994 dank Förderkreis, Stadt und Fördermitteln des Landesamtes für Denkmalpflege in die Sanierung des Schlossgeländes investiert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und erntet viel Lob. So erhielt der Förderkreis 2008 den Landesehrenpreis für herausragende Tätigkeiten in der Denkmalpflege. Badstübner ist stolz auf das Erreichte, der Förderkreis stolz auf Badstübner. Den Titel Ehrenvorsitzender hat er sich redlich verdient. Bei aller Anerkennung blickt Badstübner aber auch kritisch zurück. „Alle Entscheidungen wurden im Vorstand getroffen. Allerdings gab es manchmal Vorwürfe von Alleingängen, die ich mir auch selbst gemacht habe. Es diente aber immer der Sache an sich“. Badstübner hält kurz inne und fährt dann fort: „Eine Idee zu haben, ist zu wenig. Man muss im Vorfeld überlegen, wie man sie umsetzt und finanziert. Erfolg ist kein Zufall. Er entsteht aus der Arbeit miteinander, um für jedes Projekt am Ende das bestmögliche Ergebnis zu erzielen“. Der Förderkreis habe die Stadt und die Denkmalpflege stets in die Pflicht genommen, aber auch selbst seinen Beitrag zum großen Ganzen geleistet. „Nur zu fordern ist nicht meine Sache“, sagt Badstübner. Auch wenn das Schloss nicht den Anschein erweckt, gibt es noch jede Menge zu tun.
„Ein altes Gemäuer wird nie ganz fertig“, sagt Badstübner, der seinem Nachfolger Klaus Mackenroth viel Erfolg wünscht. „Der neue Vorstand richtet seine Arbeit nach seinen Überlegungen und Gedanken aus. Er weiß auch, dass ich beratend zur Verfügung stehe, wenn er Unterstützung braucht“. In der Verantwortung für das historische Gebäude, das zum Zentrum Langenselbolds geworden ist sieht er aber nicht nur den Förderkreis und die Stadt.
Formaljuristisch gesehen ist die Stadt Eigentümerin der Schlossanlage. Die Antwort auf die Frage, wer die Stadt ist, lautet, dass wir, die Bürger, die Stadt sind. Somit tragen wir alle Verantwortung für den Erhalt für die nachfolgenden Generationen, betont Badstübner.
Benefizkonzert des Förderkreises
Langenselbolder Zeitung Freitag, 8. Mai 2012
Am Freitag, 15. Juni, veranstaltet der Förderkreis Schloss Langenselbold gemeinsam mit dem Volkschor Langenselbold ein Benefizkonzert zugunsten der Erhaltung des Schlosses in der Klosterberghalle. Beginn dieser Veranstaltung, die unter dem Motto "Summertime" steht, ist um 19 Uhr.
