Rupert Reiter


Das Schloss zu Langenselbold in Seide 


Die Wandbespannungen in dem Napoleon, Kamin und Fürstenzimmer sind in ihrem Ursprung etwa in die Mitte des 18. Jahrhunderts zu datieren, also in eine Zeit, in der Gebrauch solcher Tapeten vor allem in gehobenen Häusern sehr beliebt war. Diese Tapeten wurden von Handelskompanien von Asien nach Europa importiert, wo sie sehr bald nach chinesischen Mustern kopiert oder von Musterzeichnern neu entworfen wurden. Die im 18. Jahrhundert in Europa in großer Zahl entstandenen Manufakturen deckten den hohen Bedarf an derartigen Wanddekorationen, wobei sich die Herstellungszentren in Deutschland, in Leipzig, Berlin und Frankfurt am Main befanden.
Es ist jedoch nicht nachvollziehbar, woher die Tapeten des Langenselbolder Schlosses stammen.
Bei den Selbolder Wandbespannungen handelt es sich um so genannte „Pekingtapeten". Charakteristisch für diesen Stil ist ein heller Grund, auf demPflanzenranken mit Blattwerk und Blüten, auch Vögel und Schmetterlinge aufgemalt oder in den Konturen über Schablonen vorgedruckt wurden, um dann per Hand bemalt zu werden. So ist es auch hier geschehen: die farbigen Flächen und Details sprechen in ihren zahlreichen Varianten der Farbgebung von einem Musterrapport zum anderen für eine Handbemalung. (Im Gegensatz zur „Pekingtapete" weist die andere Variante, die „Chinoiserie", neben dem Rankenwerk auch Landschaften und Szenerien mit Personen auf.
Die Wandbespannungen wurden mit größter Wahrscheinlichkeit nicht als Original für die Langenselbolder Räume angefertigt. Eine Neuanpassung an die hiesigen Wandflächenverhältnisse ist sehr deutlich sichtbar, vor allem an dem Verlauf der Bahnen (Fürstinnenzimmer) und an den Nähten der Bahnen: es gibt Handnähte und Maschinennähte, wobei letztere erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zumindest in Deutschland möglich waren. Woher sie also kommen, wird vorerst ein Geheimnis bleiben, das auch Prinzessin Margarete mit ihrer Anekdote über die Beschädigung der Seidentapete durch Napoleon im Jahre 1813 in dem nach ihm benanntem Zimmer mit ins Grab genommen hat.